ein neuer Roman ...

Ich freue mich auch über Feedback! Auch wenn Ihr sehr wahrscheinlich immer noch nicht genau wisst, worum es geht. Oder? Ich bin gespannt auf Eure Reaktionen.

 

Autorin.reingard.stein@gmail.com

 

 

Und damit ich Euch noch ein bisschen neugierig auf mein neues Werk machen kann, hier noch ein paar Textschnipsel aus der Rohfassung (schon weit fortgeschritten, aber noch nicht fertig):

 

Textschnipsel Nr. 1:  »So fing es an«

 

Man schrieb das Jahr 2009. Außergewöhnliches Winterwetter legte zum Jahresende den Straßen- und Bahnverkehr im Norden und Osten Deutschlands lahm. Im Dezember kämpften extreme Großwetterlagen gegeneinander. Warm- und Kaltfronten verbunden mit Stürmen sowie kräftigen Regen- und Schneefällen wechselten einander ab. Derart frostige Temperaturen mit Eisregen und Schnee erlebten die Bewohner der Norddeutschen Tiefebene seit langer Zeit nicht mehr. In der weihnachtlichen Hauptreisezeit beherrschte ein ausgeprägtes Chaos die Lage. Die Verkehrsbetriebe von Bus und Bahn sahen sich außerstande, ihre Passagiere planmäßig zu befördern. Viele Zugverbindungen strich man ersatzlos vom Fahrplan. Die gestrandeten Fahrgäste warteten hoffnungsvoll in den Bahnhöfen auf den Weitertransport. Oft vergeblich!                  …
In der Hamburger Speicherstadt, sinnigerweise in der Straße Kehrwieder, sollte die Sitzung stattfinden. Lars und Henning betraten im ersten Stock eines massiven Backsteingebäudes ein Kontor. Das gediegene Messingschild am Eingang wies es als Niederlassung eines Gewürzhändlers aus.
Eine aparte Dame reiferen Alters empfing sie. »Bitte nennen Sie mich Sybille«, so stellte sie sich vor, »ich bin das Medium, knüpfe die Kontakte und führe Sie durch die Session.« ...


Textschnipsel Nr. 2:  »Die Erzählung«
 
Isolde hatte nach den Tagen der Ratlosigkeit ihre innere Mitte wiedergefunden und ging nun das Imageproblem des ›Alten Museums‹ ganz offensiv an:

»Meine Damen und Herren, wie Sie wissen, ich bin Wissenschaftlerin und in dieser Eigenschaft zweifle ich gerne Fakten an, einerseits. Andererseits bin ich ein Kind Irlands, das typischerweise mit unzähligen Mythen, Sagen und Legenden aufgewachsen ist. Träume, Magie, Feen, Elfen, Kobolde, Druiden, Mönche, alte Könige, junge Königinnen und Liebesgeschichten finden darin ihren Platz. Mord und Totschlag genauso wie gute und böse Menschen und Mächte. Es ist der Zauber der Vergangenheit und des Fantastischen, der die Zuhörer gefangen nimmt. Heute erzähle ich Ihnen die Geschichte von ... im Stil der irischen Überlieferung. Seanachí, so werden in meiner Heimat die Geschichtenerzähler genannt.«
 
Und so begann Isolde ganz in der Manier einer Museumsführerin mit einer Erzählung:
»Man schrieb das Jahr des Herrn 1370. Auf dem hohen Kliffufer am ... Meer saß ein Knabe, er hütete seines Vaters Schafe, die dort das struppige Gras abweideten. Der Hirtenjunge spielte in der Einsamkeit der ... Bucht auf seiner Flöte eine melancholische Melodie. Die reinen, klaren, traurigen Töne trug der Wind aufs Meer hinaus, wo sie mit der Unendlichkeit des Horizontes verschmolzen. So wie die Sehnsucht des Jungen nach Weite und Freiheit. Vor allem die nach Freiheit. Die Zeiten waren sehr schlecht, denn die Pest raffte in der ... die Hälfte der Bürger dahin. Düstere Epoche des Drangsales. Die alte Ordnung, sie galt nichts mehr. Sie ging unter im Sumpf aus Angst, Unwissen und Gewalt. Wer es sich leisten konnte, der floh hinaus, aus der verseuchten, der verfluchten Stadt, hinaus aufs Land.   ...…«


Textschnipsel Nr. 3:  »Dicke Luft im Museum«

 

Konstantin Kayser war in seinem Element. Er erklärte nochmals allen Beteiligten sein Konzept und die Richtlinien für die Erfassung der Exponate. Das Mammutprojekt, nein sein Projekt, sein Baby nahm Gestalt an, er durfte endlich beweisen, was in ihm steckt. Am Ende des Tages versagte ihm fast die Stimme, das Sprechen fiel ihm immer schwerer. Hals- und Kopfschmerzen konnte er jetzt überhaupt nicht gebrauchen, wo sein großer Einsatz gefordert war. Aber die Grippe nahm auf seine Karriereträume keine Rücksicht.
Am nächsten Morgen meldete er sich krank. »Konstantin liegt mit Fieber zu Bett«, teilte Isolde den Kollegen mit, »er ist am Boden zerstört, mindestens drei Tage fällt er aus. Für Rückfragen stehe ich euch selbstverständlich zur Verfügung.« Das musste sie nun so sagen, denn sie musste sich erst selbst in das Verfahren einarbeiten. Das war Konstantins Konzept und sie hatte überhaupt keine Zeit dazu, sich in sein Arbeitsgebiet zu vertiefen. Notfalls müssen die Erfassungen aufgeschoben werden.
...
Dicke Luft! Die Missstimmung in der Führungsetage war für die Mitarbeiter körperlich spürbar. Die konnten sich keinen Reim darauf machen, was nun schon wieder los sei. »Kaum dass der Alte wieder am Arbeitsplatz ist, ist es mit der Harmonie vorbei.«, so tuschelten sie untereinander.
...
Konstantin war zunächst gefährlich ruhig! Seine Gedanken dürften sich in eine ähnliche Richtung wie die von Isolde bewegt haben. Nach der Suche platze es aus ihm heraus: ???
...
Isolde hatte genug von seiner Litanei! Mit dem keifenden Konstantin konnte sie kein vernünftiges Vorgehen besprechen. Sie brauchte einen kompetenten Gesprächspartner, der über den Sachverhalt im Bilde war und ihr Vertrauen besaß. Die ruhige und besonnene Art von Lars hatte sie schon immer gemocht.

 

Textschnipsel Nr. 4; Gespräch Lars und Henning

 

»Der Hintergrund ist leider nicht besonders witzig, denn dort gibt es ein delikates Problem. Isolde, ich meine Frau O’Nelly will dich in dieser Angelegenheit besuchen, sie erklärt dir dann persönlich die Fakten.«
»Weißt du, worum’s geht?«
»Ja, aber ich bin zum Stillschweigen verpflichtet, warte einfach bis nächste Woche ab. Sie wird dir alles erklären. Wenn deine Vertretungsvollmacht unterschrieben ist, können wir offen über den Fall reden.«
»Sprichst du von ›der‹ Isolde? Von der du mir immer vorschwärmst wie ein Teenager? Na, dann freue ich mich ganz besonders auf das Treffen.«
»Vorschwärmen? Echt? So kommt das bei dir rüber? Ich bewundere sie, ja. Seit zwei Jahren lebt sie in Hamburg. Wie souverän sie die Attacken ihres Stellvertreters Konstantin abwehrt. Diesen ›Giftzwerg‹, den sie von ihrer Vorgängerin ›geerbt‹ hat und der ihr hartnäckig das Leben schwer macht.«

...

 

»Irgendwann musste es ja dazu kommen«, erklärte Isolde am darauffolgenden Tag ihrem total geknickten Mitarbeiter. »Du trägst nicht die Schuld daran, dass ein Reporter dich bloßstellt. Wir hätten uns nicht darauf verlassen dürfen, dass unser Wissen dauerhaft hier innerhalb dieser Räume bleibt.« Die Direktorin fühlte sich unwohl bei dem Gedanken daran, dass sie ihren Mitarbeiter ins Offene Messer der Presse laufen ließ. Noch ein Fehler, der zu ihren Lasten ging.
Konstantin bemängelte sofort: »Und weshalb war der Saal nicht abgeschlossen.«
»Das dürftest Du doch genau wissen«, erwiderte Isolde streng, »Fluchtwege dürfen niemals verschlossen sein.«

 

Textschnipsel Nr. 5;  Die Lügenkneipe

 

Weiß’t Bescheid? In Altona, die olle Eckkneipe mit’m Schild oben über. »Zum totgeschossenen Hasen«, stand drauf. Hatte auch schon bessere Zeiten gesehen, das Teil. Früher, ja, da war das hier ’ne Goldgrube. Da war Leben inne Bude. Hier wurde gesponnen, was das Zeug hielt, Seemannsgarn und sonstige Räuberpistolen. Lügen, dass sich die Balken biegen. Un nu? Tote Hose! Auf’n Tisch liegen noch n’paar ramponierte Broschüren rum, Döntjes aus besseren Zeiten. Irgendwer hatte die mal zu Papier gebracht. Die Hefte, abgegrabbelt und vergilbt, vom Alter, vom Gebrauch und vom Zigarettenqualm. Wer die besten Lügengeschichten erzählte, bekam einen ausgegeben. So war das damals, in der guten alten Zeit, als man die Lüge noch wertschätzte und sie nicht allgegenwärtig war.

 

Textschnipsel Nr. 6; Ganovenehre

 

 »Wir wollten ja auch die Kasse klauen«, ergänzte Kumpel Eddie. »Die wird aber mit zwei Kameras überwacht.«
»Außerdem dürfte da vormittags noch nicht allzu viel drinne sein.« Holger im Erklärungsmodus. »Die sind da auf’m Kiwief!«
»Alles Quatsch, ihr wollt mir doch nicht zart andeuteten,  ihr hättet auch noch Eintritt bezahlt?«
»Ja«, gab Eddie kleinlaut zu. »Für Arbeitslose gibt's Vergünstigungen.«
Peggy schlug sich mit der flachen Hand vor’n Kopp! »Eintritt bezahlt, für Arbeitslose!«, wiederholte sie tonlos. »Blöder ging’s wohl nich.«
»Jetzt halt mal den Ball flach! Wir haben schließlich ein vollgeiles Teil mitgehen lassen.« Holger lehnte sich energisch gegen ihre Vorwürfe auf. »Wir sind keine hirnlosen Trottel, merk dir das. Eddie wollte zuerst auch nicht, ich habe ihn überzeugt, dass das ein Riesending werden kann. Dazu stehe ich noch immer!«
»Die Kohle muss jetzt her, menno, und nicht irgendwann. Verstanden! Ich brauche die Knete, die Pacht ist fällig und der Laden läuft nicht.«

 

Textschnipsel Nr. 7;  Lebensbeichte

 

Es geschahen gar merkwürdig Dinge zwischen Himmel und Erde. Nun, da ich ein alter Mann, ein Greis zumal, blicke ich zurück. Zurück auf ein sündiges Leben bestimmt vom Kampf um Macht und Gewinn. Die Gedanken, sie strömen rückwärts. Die Augen müde vom Spähen auf dem Meer, die Schritte schleppend, der Leib gebeugt vom Alter friste ich meiner Tage. Dereinst, ich werde Sühne leisten müssen. Die Zisterzienser-Brüder gewähren mir die Gnade der Zuflucht. Die Mutter Kirche gibt mir Friede und Geborgenheit, nach einem Leben angefüllt mit Schandtaten. Die tätige Buße suche ich. In Gestalt des Konversen widme ich mich dem Dienste des Klosters . Die Laienbrüder üben die Liebe zum Nächsten. Sie befrieden die Küsten und Deiche des Friesischen Meeres, bauen Siele, bestellen die Äcker und weiden das Vieh. Meine Beschlagenheit zur See befähigte mich zur Führung der Arbeiten.

Das Meer nagte Winter für Winter, Jahr für Jahr an den Gestaden. Der Blanke Hans, die ungestümen Fluten, schlugen Breschen ins Land, raubten Menschenleben, Vieh und Gut. Die Friesen schufen Bollwerke, um die Macht des Meeres zu brechen. Vergebens!

 

Textschnipsel Nr. 8; »Fiete«

 

Der Erzähler legte eine kunstvolle Pause ein, dann sprach er weiter: »Ich begrüße euch zur Wiedergeburt der Lügenkneipe ›Zum totgeschossenen Hasen‹, die ist ›allwedder‹ jung und munter wie nie. Ich, der alte Fahrensmann, wurde zur Landratte und fristete als Wirt und Geschichtenerzähler mein Leben. Habe in letzter Zeit ein wenig zu lange auf der ›faulen Haut‹ gelegen. Die althergebracht Geschichten, die Legenden, die Hirngespinste und Sagen lassen mich nicht in Ruhe, die wollen raus.
Das Meer, seine Schönheiten und Gefahren, ich habe sie erlebt, gespürt wie das Salz in der Luft. Wie wir heute Abend haben sich die Menschen zu Wasser und zu Land die wenige freie Zeit mit Geschichtenerzählen vertrieben.«
 Fiete stand wieder in breitbeiniger Pose und mit breiter, offener Brust vor seinem Publikum. So kam er, wie alle wissen, am wirkungsvollsten rüber. Oh, oh, Fiete kannte seine Wirkung genau. Er setzte seine Körperhaltung, die Heldenpose, über die Maßen gezielt ein.
Peggy schmolz von seiner Ausstrahlung bei diesem Event einfach dahin. So sexy und attraktiv erschien er ihr, wie niemals zuvor. Ganz anders die Lage, wenn Fiete mit ihr über die Pacht oder Nutzung sprach. Wäre er doch nur nicht ihr nerviger Verpächter, frau könnte den Gleichmut verlieren. Vielleicht sogar schwach werden und den pomadigen Holger einfach innen Wind schießen. Na ja, der Kerl ist ne Sünde wert, nicht mehr ganz jung, aber interessant, verdammt noch mal, aufregend interessant!
Fiete erhob einen Becher dem Publikum zu: »Kinnings, nehmt noch’n Köm auf unser aller Gesundheit. Getreu unsrem Motto: Nicht lang schnacken, Kopp in’ Nacken! Prost!« Dann lehnte er sich an den Tresen und begann er mit seinem Vortrag.

 

Textschnipsel Nr. 9, »tiefschwarze Nacht«

 

Übers Jahr gebar mir die Königin meines Herzens einen Sohn. Stolz würde meine Brust anschwellen lassen, jedoch ihr Ehegespons erfuhr durch Verrat von ihrem Ehebruch. In wilder Raserei brachte er sie daraufhin zu Tode. Es sei das Recht eines Gemahls, die ungetreue Gattin zu töten. Erschlagen und gewürgt lag sie in ihrem Blute. Der Herr sei ihrer unsterblichen Seele gnädig. Mein Kind gab man fort, erzog es auf fremden Burgen. Ich habe lange Zeit nach diesem Knaben geforscht. Das göttliche Strafgericht brach einige Jahre später über ihren Gemahl herein.
Unermesslicher Schmerz umfängt mich, wenn ich an ihre traurige Schickung denke. Diese Freveltat konnte nur geschehen, da ich zur See weilte. Ohne meinen Schutz konnte ihr das Unbegreifliche widerfahren. Die tiefschwarze Nacht der Verzweiflung brach nach ihrem Tode über mich herein. Es quälte mich Gewissenspein, da ich nicht rechtzeitig zur Stelle. Allein von ihr blieb mir ihre Locke, als ewiges Liebespfand trage ich sie auf meinem Herzen.

 

Textschnipsel Nr. 10 »Sorgen einer Mutter«

 

Eddie reagierte auf Fragen inzwischen ausgesprochen verstockt, auf direktem Weg ging da nichts, das war Muddi klar. So erkundigte sie sich scheinheilig hinten herum bei ihm: »Eddie sind die Geräuschquellen denn nu gefunden? Man hört von euch gar keine Beschwerden mehr. Was war denn los?«
»Nee, Muddi, da war nichts weiter.«
»Dabei hat Peggy den Kammerjäger kommen lassen. Da muss doch was rausgekommen sein.«
»Nee, Muddi, überspannte Nerven, meint der Hausmeister. Peggy sollte n’büschen Urlaub machen.«
»Und du hattest dauernd heftige Kopfschmerzen. Das scheint ja besser geworden zu sein. Was hat dir der Doktor gesagt?«
»Bei dem war ich nicht.«
»Was? Du lässt deine Gesundheit schleifen.« Inge war empört, dass ihre Sorgen nicht ernst genommen wurden. »Sag mir sofort, was war das mit dem Gepolter und Geknarre im Gebäude? Ich merke sehr genau, dass da was nicht stimmt!«
»Du legst jedes Wort auffe Goldwaage,« Eddie stöhnte. »Was weiß ich, vielleicht Geister!«
»Hast du se noch alle?«
»Menno, wat willst’e denn hören. Ich kanns dir doch nichts sagen. Wir hatten einfach nur ein paar Albträume, nichts weiter.«
»N’ paar böse Träume? Das willst du mir doch nicht ernsthaft weismachen.«
»War aber so.«
»Ich will jetzt von dir kein Gelaber mehr hören. Du sagst mir auf der Stelle, was los ist!«
»Muddi du nervst!« Inge hatte ihren Sohn dorthin bugsiert, wo sie ihn haben wollte und Eddie kam endlich aus dem Quark. »Holger hat Merkwürdiges geträumt und Peggy hat Erscheinungen am Fenster gesehen und ich bin mit meinem Bett Karussell gefahren, davon war mir ganz schwindelig.« Seine Stimme klang wehleidig.
»Spillerkram, mir wird auch gleich blümerant! Du sagst mir jetzt sofort den wahren Grund, weshalb ihr so durch’n Wind gewesen seid! Sonst kannst du mich mal kennenlernen! Ich sperre dir den Geldhahn zu, damit du’s nur weißt, dann kannst’e dir die Träume von’ner eigenen Wohnung inne Haare schmieren.« Inge war über die Unverfrorenheit ihres Sohnes empört.

 

Textschnipsel Nr. 11, »ein Reporter berichtet«

 

In Nr. 11, ein Reporter überrascht seine Leser mit einem Reisebericht in Briefform.

Jetzt ist es genug mit ...! Ostfriesland steht für einen Teegenuss, der allerfeinsten Art.
 Versäumen Sie es nicht, dieses herrliche Vergnügen der ostfriesischen Teezeremonie.
Lassen Sie mich bei der Schilderung ein wenig im Genuss schwelgen. Der Wasserdampf

aus dem Kessel steigt auf wie die Nebel aus Meer, Marsch und Moor. Die Teekanne wärme man an.

Die Teemenge bemisst sich reichlich. Mit kochendem Wasser kurz angegossen entwickeln sich

aromatische Düfte, die Blätter quellen auf. Vollends aufgegossen zieht der Tee fünf Minuten lang,

beruhigend, wie ein Spaziergang am Deich. In jedes Tässchen gebe man ein stattliches Stück Kandis.

Beim Einschenken des dunklen, kräftigen Getränkes knistert leise das Kluntje. Der am Tassenrand

mittels Schöpflöffelchen behutsam angegossene Rahm sinkt zunächst in die Tiefe, um dann in

Schleiern wieder aufzusteigen. Tiefgründig wie die Tümpel in Moor und wolkig wie der Himmel darüber.

Nun steht dem Genuss nichts mehr im Wege. Der herbe, vollmundige Tee rinnt über die Zunge. Der

schwere Rahm nimmt der Bitterkeit des Lebens die Spitze, Der Tee, der an dem Kluntje vorbeifloss,

gibt die Süße der Liebe dazu. Den Löffel benutze nie zum Umrühren, der wird nur dafür gebraucht, um anzuzeigen, dass kein weiter Tee nachgeschenkt werden möge. Will man die Höflichkeit wahren, so

lässt man sich mindestens drei Mal einschenken, danach darf man getrost seinen Löffel in die Tasse

legen.
Überhaupt, liebe Leserin, lieber Leser, es gibt in Ostfriesland viel zu Entdecken. Fürs leibliche

Wohl sorgen Restaurants, Fischbrötchen vom Stand und Granat, das sind Nordseekrabben vom Kutter. Schwingen Sie sich aufs Fahrrad, erkunden Sie Wattenmeer und Strände, schippern Sie zu den Inseln, kümmern Sie sich am ›Upstalsboom‹ um die Friesische Freiheit! In der Klosterstätte Ihlow um

Religion und Geschichte. Lassen Sie sich den Wind um die Nase wehen. Ostfriesland bietet vielfältige

Abwechslung für Paare und für die ganze Familie. Neugierig geworden?

Na dann los mit Ihnen, liebe Leserin, verehrter Leser genießen Sie das Land am Meer mit allen

Sinnen, das wünscht Ihnen Ihr Reporter Olaf Meyer.
P. S. Schreiben Sie mal wieder Briefe oder Karten.

 

»Hennings Visionen« , Textschnipsel Nr. 12

 

»Gefällt Euch diese Lustfahrt?«, hörte Henning aus weiter Ferne zu sich sprechen. Sanft schaukelte seine Barke in der Dünung der ruhigen See. An den entlegenen Küsten tauchte die Abendsonne soeben die weißen Felsen in gleißend goldenes, purpurnes Licht. Versprühte unendliche Schönheit, bevor sie feuerfarben hinter dem Horizont im Meer versank. Alsdann, die dunkle Linie der Kliff-Küste verschmolz mit der tiefen Finsternis der mondlosen Nacht. Die ferne Stimme raunte ihm zu: »Dies ist kein Trugbild, Herr, es ist die Heimat Eurer Väter, macht es Euch gegenwärtig. Blutrot leuchtete der Horizont, rot wie die Blutlinie, welche die Eure mit der Unsrigen verbindet. Fernab wie die Gestade vor Euch. Es gibt eine Bestimmung für Euch, Herr! Ihr habt die Aufgabe, die graue Zeit zu besiegen. Seid Ihr dessen Manns genug?«
Hierin verwoben sich Nacht und Traum. Henning setzte sich verwirrt in seinem Bett auf. Er brauchte einen kleinen Augenblick, um zu realisieren, wo er sich befand. Was war los mit ihm? Hatte jemand etwas gesagt? Es schien so, aber wer sollte zu ihm gesprochen haben. Außer ihm befand sich niemand im Raum. Er hatte überdies sehr angenehm geträumt und trotzdem, es beunruhigte ihn etwas Unbestimmtes, war es eine Vision? Eine Erwartungshaltung war an ihn geknüpft. Wofür solle er Mut beweisen? Er wurde ärgerlich über sich selbst. Morgen hätte er einen harten Arbeitstag, voller Termine. Er sank zurück ins Kissen und fiel in einen bleiernen Schlaf. …

Vorerst gibt es keine weiteren Schnipsel. Ihr müsst Euch also gedulden, bis das Buch fertig ist. Korrektur und Überarbeitung braucht seine Zeit.