REINGARD STEIN AUTORIN

NEUERSCHEINUNG

Angst Macht Mut

Liebe zwischen Ost und West

Endlich, liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich freue mich, denn ich darf Euch mein neustes Buch präsentieren. Auf dieser Seite findet Ihr viele Hinweise auf den Entstehungsprozess mit Fotos.

Warum mir gerade dieses Buch am Herzen liegt? Es besteht teilweise aus der Geschichte meiner Familie. Nein, es ist nicht genauso passiert, aber die Fluchtgeschichte, die Verhaftungen durch Sowjets und Stasi hat es gegeben. Verbunden mit Verzweiflung und Angst meiner Eltern, dass die Familie atomisiert wird. Und es ist kein Zufall, dass die Kunst mitschwingt.

 

In der Ost-, West-Liebesgeschichte wird deutlich, wie junge Menschen unvermittelt zu Staatsfeinden werden konnten. Und wie ein Staat versucht, seine Bürger bei der Stange zu halten. Mit weitreichenden Folgen bis hinein in unsere Tage.

  

Zum Thema das Buches gibt es Hinweise, ergänzt um einige Leseproben in der entsprechenden Rubrik. Wie es zu dem Titel gekommen ist, das erläutere ich Euch im Buch ausführlich. Denn meine inzwischen verstorbene Mutter hat für den Buchtitel gesorgt. Mehr will ich dazu nicht verraten. Bleibt also Neugierig!

 Ist das nicht ein tolles Cover? Gestaltet hat es wieder in bewährter Manier Bea Stach aus Berlin.

Verlag:

edition winterwork, Borsdorf  

ISBN 978-3-98913-269-6 (Print)

 

ISBN 978-3-98913-294-8 (E-Book)

Hier ist der Klappentext des Romans:

Der Hamburger Künstler Lars Bunjes steckte in einer existenziellen Krise. Wer ist sein biologischer Vater? Das verschwieg ihm widerborstig seine Mutter, und nun ist sie tot. Er suchte seine Identität und hatte gleichzeitig Angst vor einer  verstörenden Wahrheit. Erst die Liebe zu seinem Lebensgefährten Enno riss ihn heraus aus der Lethargie.  

Auf dem Weg zurück zu seinen Wurzeln in Rostock begleitete ihn sein Rechtsanwalt und Freund Henning von der Dyck. Sie stießen oft an die Mauern des Schweigens. Was geschah in den Jahren 1970/71 in der DDR? Wie entdeckten die beiden Suchenden vertuschte Spuren seiner Herkunft, entlarvten Lügen. Und was hat ein Untersuchungsgefängnis in Rostock damit zu tun?  

Dies ist ein Roman mit zeitgeschichtlichem Bezügen. In Hamburg quälte den Ich-Erzähler, den Künstler Lars, ein Problem. Denn seine Mutter verschwieg ihm hartnäckig die Identität seines biologischen Vaters. Bösartigerweise, so empfand er es. Innerhalb der Familie hatte er keine unbeschwerte Jugend. Mit Desinformationen und vagen Andeutungen speiste man ihn ab. Dann verunglückte die Mutter Margot tödlich und ihr Sohn sah zunächst keine Möglichkeit mehr, seine Herkunft zu ermitteln. Jahrelang rang er mit sich, war angstgetrieben davor, die Büchse der Pandora zu öffnen.

Gesichtslos, so empfand er sich. Die Hamburger Galeristin Maya veranstaltete am Valentinstag eine Vernissage mit dem Titel »Liebe oder feiere das Leben«. Auf dieser Veranstaltung verkuppelte sie den Ostfriesen Enno mit Lars. Oh, das entpuppte sich als eine gelungene Aktion. 

Seine große Liebe, der Künstlerkollege Enno ging viel unbekümmerter mit seiner eigenen Vaterlosigkeit um. Das turbulente Liebesverhältnis setzte bei Lars eine dynamische Entwicklung in Gang, an deren Ende die professionelle Suche nach dem Erzeuger durch den befreundeten Henning stand. Lars lernte vor den Toren Emdens ein unbeschwertes Familienleben kennen, oder doch nicht? 

Bei seinen Nachforschungen traf der Anwalt Henning häufig sowohl auf verbissenes Schweigen und Verdächtigungen wie auch auf glatte Lügengeschichten. Um ihre eigene Schuld zu mindern, verschleierten nahestehende Personen ihre Stasi-Vergangenheit. Ein skandalöses Geheimnis galt es zu lüften, wird es gelingen? 

Eine weitere Ich-Berichterstatterin im Roman ist Silke. Sie ist eine Textilfacharbeiterin aus Warnemünde und sie blickt nach über vierzig Jahren auf ihre DDR-Vergangenheit zurück. Im Mittelpunkt steht ihre Leidenschaft für die Kunst und ihre intensive, zärtliche Liebe zu dem westdeutschen Studenten Axel. Anlässlich der Ostsee-Woche 1970 in Rostock lernten sich die beiden in der neugebauten Kunsthalle kennen. Diese Verbindung – ihre Familie war alarmiert und ihre Kollegin zog sich von ihr zurück.

Argwöhnisch beobachtete sie die Stasi. Dieses Staatsorgan, das Ministerium für Staatssicherheit, setzte sie mächtig unter Druck. Während der Verhöre im Untersuchungsgefängnis Rostock war Silke den Vernehmern schutzlos ausgeliefert. Die Offiziere wollten sie mit hinterhältigen Unterstellungen, Behauptungen und Verdrehungen weichkochen. Sie wusste letzten Endes nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. 

In der Ost-, West-Liebesgeschichte wird deutlich, wie junge Menschen unvermittelt zu Staatsfeinden werden konnten. Und wie ein Staat versuchte, seine Bürger bei der Stange zu halten. Mit weitreichenden Folgen bis hinein in unsere Tage. Mehr zum Inhalt will ich nicht verraten.

Auf Recherchereise - REINGARD STEIN

Ein Roman ist noch in der Pipeline!

Ich verrate Euch nur so viel: Von einem der auszog, seinen Erzeuger zu finden. So könnte der Grundtenor meines neuen Romans lauten. Warum das Untersuchungsgefängnis in Rostock eine Rolle spielt, das lest Ihr eines Tages im fertigen Buch.

Es sind wieder Recherche-Reisen notwendig. Einige Fragen galt es zu beantworten. 

Die erste lautete: wie geht es in einem Stasi-Gefängnis zu. Ich wollte die Atmosphäre erspüren. Wie erging es hier den Häftlingen. Womit drangsalierten Stasi-Vernehmer und Wächter die Insassen. Waren es kriminelle oder politische Gefangene. Wie lange saßen sie hier in Rostock ein?

Ich kann Euch sagen, es waren bedrückende Stunden, die ich mit meinen Nachforschungen verbrachte.

In den Fragen zwei und drei ging es um die Kunst. Die Fachschule für angewandte Kunst in Heiligendamm existiert hier nicht mehr. Mein Mann Gerd und ich suchten und fanden am Ortsausgang das Gebäude. Für meine Geschichte ist auch die Kunsthalle Rostock von Bedeutung.

ANGST MACHT MUT  -  TEXTPASSAGEN

Eine Männerfreundschaft

Im Morgennebel eingehüllt glitt das Boot auf dem Alsterlauf dahin. Kaum vernehmlich plätscherte es, sooft die Paddel ins Wasser eintauchten. Das diskrete Klicken meiner Kamera begleitete diese Fahrt. Ich liebe diese ungestörte Weile zwischen Nacht und Tag auf den Hamburger Gewässern, kurz bevor die Stadt erwacht. Zauberhafte bis eigenwillige Fotomotive, die galt es für mich zu entdecken. 

Ich bin Fotograf. Es steht Lars Bunjes auf meinem Firmenschild. Na ja, das ist die halbe Berufsbezeichnung, denn Maler bin ich on top. An diesem bewussten Tag brauchte ich die zupackende Unterstützung meines Freundes Henning von der Dyck. Der ist von Haus aus ein Jurist. Er paddelte und steuerte das Boot, damit ich die Hände für die Aufnahmen frei habe. Wir sind seit Langem ein eingespieltes Team. Ich ließ meinen Blick durch die Umgebung streifen, entlang an den Ufern, hinein in den Himmel und übers Wasser. Für mich bedeutet das ein unendlich inspirierender Moment und wir beide genießen immer wieder die hinreißende Stimmung der erwachenden Metropole. Hamburg, das ist unsere Stadt. Für einen Rechtsanwalt ist diese sportliche Betätigung ein willkommener Ausgleich für den Bürojob. 

Mit dem Morgengrauen stimmte sich die Vogelwelt auf den Tag mit ihrem Gesang ein und die Enten schnatterten lautstark. Diese natürlichen Geräusche störten uns nicht. Denn tief in eigene Gedanken versunken gaben wir beide uns meditativ der jeweiligen Tätigkeit hin. Ich stellte mir vor, dass ich weit weg von der Stadt auf dem platten Land bin. Das typische Verkehrsrauschen der Hansestadt im Hintergrund habe ich total ausgeblendet.

Das Boot glitt über das gekräuselte Wasser dahin. Wir Paddelfreunde erreichten die Außenalster. Das ist Hamburgs malerischer Stausee mitten in der Stadt. Der Ausblick weitet sich, die Wasserfläche bewegte sich kabbelig, eine sanfte Brise strich darüber hinweg. In den Wassersportklubs am Ufer bereiteten sich die ersten Ruderer für den Start vor. Bald wird es hier mit der Gemächlichkeit vorbei sein.

... und noch eine kleine Textpassage aus meinem Roman: 

Das Schicksal hatte mich im Jahr 2003 nach Ostfriesland gespült, in die Krummhörn vor den Toren Emdens. Mitten hinein, in eine für Künstler inspirierende Landschaft. Und dann, nur fünfzehn Monate später schwemmte es mich wieder zurück nach Hamburg. Ich kam mir vor, wie ein Spielball, den die Wogen mit sich führen.

Es war mir unmöglich, mit meiner großen Liebe Enno eine dauerhafte Partnerschaft zu leben. Das merkte ich schon nach relativ kurzer Zeit der Gemeinsamkeit auf Juist. Eine bittere Erkenntnis, die ich ignorierte, so lange es nur ging. Eifersucht! Immer wieder musste ich mich mit seinem Misstrauen auseinandersetzen. Das ist auf Dauer ermüdend. Das schleichende Gift mündete in einem Kontrollwahn, ich musste mich daraus befreien. Er neidete mir meinen kleinen Erfolg. Er, der ideenreiche Skulpteur. Man stelle sich das mal vor, ich hätte nie für möglich gehalten, dass diese tiefe Liebesgeschichte eine solche Entwicklung nimmt. ...

Ich musste mich wieder mehr auf mich selber konzentrieren, ich weiß heute nicht mehr, wie ich das geschafft habe. Es gelang mir leidlich, mich wieder grade zu machen. Aber machen wir uns nichts vor, das MfS hatte mich in der Hand. Neun lange Monate dauerte die Untersuchungshaft. Ich war eine politische Gefangene. Den Politischen erging es schlechter als den Kriminellen, mit einer gewissen Boshaftigkeit behandelte man uns. Eintönig, zäh wie Kautschuk verstrich die Zeit, denn fast jeder Tag verlief wie der davor. Ich hatte nur meine Zelle und die Verhöre. Einmal in der Woche durfte ich duschen. Der Gefängnisarzt hatte angeordnet, dass ich auch tagsüber einige Zeit auf der Pritsche liegen durfte. Dieser Anweisung folgten die Wächter. Auch befand ich mich nicht mehr alleine in der Zelle. Wenigsten mit jemanden sprechen konnte ich, wenngleich ich meiner Zellengenossin nicht über den Weg traute. Aus Gesprächsfetzen hatte ich gehört, dass Zelleninformanten nicht unüblich seien. So vermied ich allzu persönliche Unterhaltungen.  ...

Ein kleiner Textauszug von einem Verhör:

»Fräulein Olsen!« Ich war wie vom Donner gerührt! Plötzlich sprach er mich mit lauter Stimme mit meinem Namen an. Mein Erschrecken war riesig. Die Alarmglocken schrillten. Diese gutmütigen Anwandlungen kamen aus dem Nichts.

»Sie, Fräulein Olsen haben zweimal geschrieben, von Herrn Eilers haben wir vier Zuschriften. Er beklagt sich über Ihre Nachlässigkeit, da Sie sich nicht bei ihm melden.« 

 Er hob die Augenbrauen, den triumphierenden Blick werde ich mein Lebtag nicht vergessen. »Hat sich Ihre Liebe verflüchtigt?«