In Sachen Störtebeker

Reingard Stein – »In Sachen Störtebeker« – Roman
ISBN 978-3-96014-620-9, 419 Seiten

edition winterwork , € 21,90

ein neues Romanprojekt ...

Was hat Störtebeker mit Ostfriesland zu tun?

Klaus Störtebeker!

 

 

Wer dem legendären Freibeuter der Ost- und Nordsee näher kommen möchte, der fahre nach dem ostfriesischen Marienhafe. Dort halten sie ihrem zeitweiligen Bewohner bis heute die Treue. Anno 1396, so hört man, trat Klaus Störtebeker hier erstmals in Erscheinung. 
...

Glaubt man den Erzählungen, dann hatte der Störtebeker mächtig Schlag bei Frauen. Dabei war er für die damaligen Zeiten ein Kerl im höheren Alter. Wie das bei Alpha-Männern ist, seine Stärke, Finanzkraft und Ausstrahlung zog unwiderstehlich die Damen in den Bann. Und es solle einige gegeben haben.

In lässiger Kämpferpose, das Enterbeil locker geschultert, steht sein Denkmal auf dem Marktplatz. Er genoss großes Ansehen in der Bevölkerung, das lässt sich heute noch feststellen. Bei näherer Betrachtung fragt man sich, zwang die Liebe den Seeräuber in die Knie? Als er sich an eine Frau band, war das der Anfang von seinem Ende? Oder war es sein Übermut gepaart mit Unverfrorenheit?

 

 

Die Entstehungsgeschichte

 

Heute berichte ich Euch von meinem Romanprojekt. Die Idee, über den Störtebeker zu schreiben, die existierte seit sehr vielen Jahren. Wie das Leben so spielt, lange dümpeln Vorhaben vor sich hin, alles dauert seine Zeit. Dabei spielte mir das »richtige Leben« gehörig in die Karten. Denn im Jahr 2010 beklagte das Museum für Hamburgische Geschichte den Diebstahl des Störtebeker-Schädels.

Eine bessere Steilvorlage für einen Autor kann es gar nicht geben. Statt den ›ollen Störtebeker‹ jetzt fantasy-mäßig nächtens auf den Hamburger Fleeten rumschippern zu lassen, wurde eine ganz andere Geschichte daraus. Wenn Ihr mögt, Ihr könnt sie bald lesen.
Ein Besuch in der Hansestadt Lübeck geriet zur Initialzündung. Das neu gegründete Hansemuseum war das Ziel. Zu Recherchezwecken besuchte ich zusammen mit meinem Mann und einer Freundin das Museum. Mit etlichen Druck-Erzeugnissen im Gepäck ging’s wieder nach Hause. Dort inspirierte uns der Ausflug zu einem Brainstorming. Mit ein bis zwei Fläschchen Rotwein gedopt, ließen wir die Gedanken nur so stürmen, nee, das war wohl doch eher ein Orkan. Wir resümierten über Tod und Teufel, krude Beziehungsmodelle und fingen an, bereits zu plotten. Hokuspokus, Spökenkiekerei und Robin Hood wurden ins Feld geführt. Selbst den Kreuzfahrer Richard Löwenherz bezogen wir mit ein. "Roman" kann eben alles!

Auch über die Namen von einigen Protagonisten machte ich erste Notizen. Was soll ich sagen, teilweise sind die Personen derzeit Bestandteil meines Projektes.

Nicht immer tun die Romanfiguren dass, was ich ihnen zugedacht hatte. So nahm die Figur der Isolde eine ganz andere Entwicklung, und Henning wurde zu meinem Helden. Irgendwo am Anfang der Geschichte hatte ich die Weichen entsprechend dafür gestellt. Ich wusste ja, wohin das Geschehen führte, aber, wie geht der Weg dorthin?
Dieses Mal dauert es nicht wieder Jahre. 

Wie's weitergeht ... …

 

Die Korrekturarbeiten sind abgeschlossen, Text- und Cover-Datei sind beim Verlag! Ende September 2019 ist für die Veröffentlichung angepeilt.

Aus den einstmals geplanten 300 wurden 419 Seiten, nach dem Motto, darf's ein bisschen mehr sein. 

 

Eine Frage galt es noch zu klären: Welches Genre bedient mein Romanprojekt? Gar nicht einfach zu beurteilen, bei meiner Cross-over-Geschichte. Weil fürs Netz eine »Schublade« gebraucht wird, machte ich mich auf die Suche. In den Bereich der Fantasy gehört es unbedingt, es ist aber kein typischer Vertreter der Gattung. So wurde ich schließlich fündig: Contemporary Fantasy!

Sehe ich jetzt Fragezeichen? Bei Google ist erklärt, dass die reale Welt mit fantastischen Elementen unterbrochen wird, etwa durch Mythen oder Legenden. Ein Portal, für den Eintritt in die Fantastik existiert auch in meinem Buch. Ich bin also auf der richtigen Schiene.

 

Wer sind meine Helden?

 

Der Störtebeker? Schwierig, denn der ist nur ›mittelbar‹ beteiligt.

Der Anwalt Henning? Wenn der nicht, wer dann. Um ihn dreht sich die ganze Geschichte. Auch wenn es ihm anfangs nicht bewusst ist.

Die Museumsdirektorin Isolde? Auch sie steht im Mittelpunkt.

Der Fotograf Lars ist der ›Türöffner‹ für Remmert.

Konstantin, einer ist immer der Gegenspieler.

Die Kneipenmannschaft Peggy, Holger, Eddie, Fiete und Muddi Inge bringen Schwung inne Bude.

Die Aufklärer, der Reporter  Olaf Meyer und die Kommissarin Marion Pedersen

Frau Sybille, ist sie der Weisheit letzter Schluss? Hat sie den Schlüssel?

Der alte Kämpfer  Remmert weist den Weg!

Na ja, und noch ein paar andere. 

 

Wo findet die Handlung statt?

 

In der Ost- und Nordsee, ist ja klar, und in Hamburg auch.

In Ostfriesland hatte Störtebeker seinerzeit Zuflucht gefunden.

Hauptsächlich auf diese Regionen konzentriert sich das Geschehen.

 

Wann kommt das Buch auf den Markt?

Ende September 2019! 

Das E-Book folgt bald darauf!

 

TEXTAUSZÜGE

 

Selbst ein knochentrockener Jurist findet sich manchmal im Land der Träume wieder. Hier kleine Auszüge aus dem Buch:

Sanft schaukelte er in einer Barke in der sachten Dünung der friedvollen See. An den entlegenen Küsten tauchte die Abendsonne soeben noch die weißen Felsen in gleißend goldenes Licht. Versprühte unendliche Schönheit, bevor sie purpurfarben hinter dem Horizont im Meer versank. Alsdann, die schemenhafte Linie der Kliff-Küste verschmolz sich mit der tiefsten Finsternis der mondlosen Nacht zu einem Weltenraum. Die ferne Männerstimme raunte ihm zu: »Erlabet Euch des Anblickes, dies ist kein Trugbild, Herr, es ist die Heimstatt Eurer Väter, machet es Euch gegenwärtig."

… Hierin verwoben sich Nacht und Traum. Henning setzte sich verwirrt in seinem Bett auf. Er brauchte einen kleinen Augenblick, um zu realisieren, wo er sich befand. Was war los mit ihm? Hatte jemand etwas gesagt? Es schien so, jedoch wer sollte zu ihm gesprochen haben. Außer ihm befand sich niemand im Raum. Er hatte überdies sehr angenehm geträumt, aber trotz alledem, etwas Unbestimmtes beunruhigte ihn. War es eine Vision? Eine Erwartung war an ihn gestellt. Wofür solle er Mut beweisen? Er wurde ärgerlich über sich selbst. Nonsens! Morgen hätte er einen harten Arbeitstag, voller Termine. Er sank zurück ins Kissen und fiel in einen bleiernen Schlaf.

 

In Sachen Störtebeker – die alte Seeräuber-Legende wird natürlich auch zum Besten gegeben. Hier ein kleiner Auszug:

Erneut trank Fiete dem Publikum zu: »Kinnings, nehmt noch’n Köm auf unser aller Gesundheit. Getreu unsrem Motto: Nicht lang schnacken, Kopp in’ Nacken. Prost!«

Er spielte geschickt seinen Sex-Appeal aus. Die Mädels hingen an seinen Lippen, sobald er sprach. Fiete lehnte wie hingegossen am Tresen:

Leeve Lüüd, das kennt vermutlich jeder von euch, dass man blank ist, blank bis auf’e Büx. Den Herrscherhäusern in der Ostseeregion erging’s ähnlich. Deshalb verfielen sie im 14. Jahrhundert auf ein ausgefuchstes Finanzierungsmodell. Der gestürzte König von Schweden war blank. Niemals hätte er eine gut gefüllte Schatulle nötiger gehabt als ausgerechnet jetzt.
Denn ein machthungriges, dreistes dänisches Weib, die ›Schwarze Margarethe‹ genannt, bereitete ihm viel Verdruss. Sie zog ihm frech seinen Schweden-Thron unterm königlichen Mors weg und buchtete ihn dazu noch ein.

Beim Klabautermann, die letzten beiden Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts hatten es schwer in sich. Jetzt komme ich zur mittelalterlichen Wertschöpfung, ein beliebtes und erprobtes Modell. Denn die Mecklenburger besannen sich auf die Freibeuterei. Das Söldnerheer kost nix extra und schädigt den Feind. So einfach ist das, Kaperbriefe ausstellen und fertig.

Allerdings, dieser Kuhhandel beinhaltete das Risiko, das die Herren Freibeuter auf eigene Rechnung einen jeden ausraubten, wie sich späterhin zeigen wird. Denn Soldzahlungen standen nicht zur Debatte, so ging der Deal. Für den König blieb auch noch ein Happen übrig, das war für die Kaperer nicht einzusehen.
...
Der nachstehende Auszug macht's deutlich: »Man hat’s nicht leicht, aber leicht hat’s einen.«
Henning und Lars trieb ein bizarres Problem um. Sie sannen krampfhaft darüber nach, wie sollten sie Isolde in ihr geisterhaftes Geheimnis einweihen. Denn sie wussten sich anders nicht mehr zu helfen, mussten sich ihr offenbaren.
Bissig bemerkte Henning: »Was ist hier wahrhaft normal, was Wahn? Dass, was wir vorhin erlebten? Kommt 'n Geist reinspaziert, hat Aufträge. Meinst du das damit? Wie sollen wir Isolde beibringen, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht?«
Der Anwalt fühlte sich in seiner Berufsehre angegriffen. »Ich hab’ mich da in was reingeritten, das hat mit Juristerei absolut nichts zu tun. Die Frau ist Wissenschaftlerin, vergiss das nicht, die zweifelt erst einmal alles an. Außerdem, was erzählen wir der Polizei? Ich mache mich nicht zum Affen.«
»Jammere nicht! Nun ist’s gut Henning. Von der Kriminalpolizei war keine Rede. Wir sprachen über Isolde, die ist bekanntermaßen deine Mandantin. Sie ausschließlich ist es, die Anspruch darauf hat, den wahren Sachverhalt zu kennen. Ob es dir in den Kram passt oder nicht. Im Übrigen, wie wir unsere Erkenntnisse durch Remmert über Tathergang und die Diebe der Polizei irgendwann verklaren, das wird sich zeigen. Wir werden eben ein bisschen kreativ sein. Unsere Offenbarungen müssen nur plausibel genug klingen. Als Anwalt müsstest du es gewöhnt sein, dass man dir Märchen erzählt, mach’s wie deine Klienten.«
»Wieder typisch für dich. Du lenkst vom Thema ab. Ich lasse meine Mandanten jedenfalls nicht im Unklaren. Natürlich müssen wir Isolde in unser delikates Geheimnis einweihen, das sehe ich genauso. Selbst wenn’s schwerfällt, wir müssen Farbe bekennen. Jetzt! Ich lade sie für sofort ins Kontor ein, dann sieht man weiter wie sie reagiert, bitte bleibe solange hier.«
 
...
Die Eckkneipen-Bewohner werden mit nächtlichen Attacken gequält. Nun kann auch Peggy ein Lied davon singen, hier ein Ausschnitt davon:
Die nächtlichen Aktivitäten, die sich gleichwohl in der Altonaer Eckkneipe entfalteten, die waren garantiert nicht im Sinne ihrer Bewohner. Es wurde schlimmer denn je zuvor. Es kratzte, knarzte, scharrte im ganzen Haus, was die Kneipen-Mieter schwer nervte. Dem Hauswirt konnten sie mit ihren Problemen nicht noch mal kommen.
»Wir haben den Kopp nicht hier, verdammt noch mal.« Peggy schimpfte vor sich her. »Was ist denn noch los? Der lange blöde Eddie geht mir mit seiner Bangbüxigkeit gehörig auf den Senkel. Der hat sich bei seiner Muddi verkrochen. Wenn der nich die Schnauze hält, denn is watt los. Ich hab ihm mit Knast gedroht, sollte er schwach werden. Die Birne is offensichtlich nich Schuld am Radau. Wie auch, issja nich hier. Hoffentlich hat das bald ein Ende. Wenn die Mäuse rübergewachsen sind, Holger, dann machen wir uns hier vom Acker. Gott sei Dank, dat kann nich mehr lange dauern.«
Der hatte ihr wieder nur mit halbem Ohr zugehört. »Ja Peggy, nu is gut. Komm endlich ins Bett, gestern war’n anstrengender Abend. Stopf dir die Ohren zu, dein Nervenkostüm is nich dat Beste. Mit diesen Events sollten wir mal ne Pause machen.«
Für Peggy kam’s ganz dicke. War sie bisher doch von den bösartigen Albträumen verschont geblieben:
Sie saß in einem engen, eisigen Loch, einem alten, feuchten Gemäuer in einer lärmenden Stadt. Zwei Büttel hatten sie in Ketten gelegt und hierher in den Kerker gezerrt. Sie zitterte vor Kälte und Angst, trug sie doch nur ein dünnes Gewand am Leib und die Konstabler behandelten sie mit roher Gewalt.
 Ihre einzige Nahrung, einen Kanten Brot verbarg sie an ihrem Busen, damit der ihr nicht weggenommen würde oder die Mäuse das wenige Essen wegfressen. Morgen würde sie auf dem Marktplatz am Pranger stehen. Man hatte sie erwischt, wie sie einen Kunden übers Ohr hauen wollte. Die Marktleute würden ihr schon das schandhafte, ihr lügnerisches Maul mit faulem Gemüse stopfen, teilten ihr die Gerichtsdiener mit. Sie mit allerlei Unrat bewerfen. Das grobschlächtige Gelächter der beiden Büttel schallte lange in ihren Ohren. So bestrafe man hier betrügerische Weiber, dröhnten sie.
Das Gespött hallte ihr noch nach, als sie sich in ihrem Bett aufsetzte. »Ich kann nicht mehr, Holger, hörst du mich?« Ihre Stimme klang ungewohnt verzagt und ihr Bettgefährte? Der schnarchte lautstark. Keine Frage, der hörte sie nicht.
...

Leg Dich nicht mit der Köksch Inge an. Sohnemann Eddie kennt Muddis 'Verhörmethoden' nur zu gut:

Ihren mütterlichen Instinkt konnten die Kneipiers nicht täuschen. Im Winter diese Arie mit den Beeinträchtigungen in den Wohnungen. Ha, der Kammerjäger musste kommen. Der fand absolut nichts. Eddie war total durch’n Wind. Trotzdem weigerte der Kerl sich beharrlich, ihr die wahren Gründe dafür zu nennen. Da stimmte etwas gewaltig nicht, es stank geradezu zum Himmel. Immer wieder verbreitete das Trio Friede, Freude, Eierkuchen, das erschien ihr höchst verdächtig. Es sei absolut nichts los, beeilten die sich ihr zu versichern. Diese Peggy, die hatte sie gefressen, die hatte sie erst recht auf dem Kieker, die hatte sie ihrem Sohn entfremdet. Die könne sich warm anziehen. Das verzeiht eine Inge nie. Niemals!

Eddie reagierte auf ihre Fragen inzwischen ausgesprochen verstockt, auf direktem Weg ging da nichts, das war Muddi klar.
Abends in seiner Mansarde erkundigte sie sich scheinheilig hinten herum: »Eddie sind die Geräuschquellen denn nu gefunden? Man hört von euch keine Beschwerden mehr. Was war denn los?«
»Nee, Muddi, da war nichts weiter.«
»Dabei hat Peggy den Kammerjäger kommen lassen. Da muss doch was rausgekommen sein.«
»Nee, Muddi, überspannte Nerven, meint der Hausmeister. Peggy sollte einfach n’büschen Urlaub machen«, antwortete Eddie lahm.
»Und du hattest dauernd heftige Kopfschmerzen. Das scheint ja besser geworden zu sein. Was hast du eingenommen und was hat dir der Doktor gesagt?«
»Bei dem war ik nich.«
»Was? Du lässt deine Gesundheit schleifen. Mit so was spaßt man nicht«, Inge war empört darüber, dass er ihre Sorgen nicht ernst nahm.
»Dat lag doch nur an dem Höllenkrach im Haus. Kannst mir glauben.«
»Sag mir sofort, was war das mit dem Gepolter und Geknarre im Gebäude? Ich merke sehr genau, dass da was nicht stimmt.« Inges Wangen röteten sich vor Zorn.
»Muddi, du legst jedes Wort auffe Goldwaage.« Alarmstufe Rot für Eddie. Er stöhnte: »Watt weiß ik, vielleicht Geister.«
»Hast du se noch alle?« Ihre Stimme wurde schrill. Situationen dieser Art waren gefürchtet bei Eddie. »So kommst du mir nicht mein Lieber. So nicht!« Sie spürte sehr genau, dass sie nicht mehr weit von ihrem Ziel entfernt war, dass der Herr Sohn bald einknicken würde.

»Menno, watt willst’e denn hören. Ik kanns dir doch nicht sagen. Ik komm verdammt noch mal in Teufels Küche. Wir hatten einfach nur ein paar Albträume, nichts weiter.«
»N’ paar böse Träume? Das willst du mir nicht ernsthaft weismachen? Ich bin nicht blöd, merk dir das.«
»War aber so«, Eddies Stimme klang aufsässig.
»Ich will jetzt von dir kein Gelaber mehr hören. Du erzählst mir auf der Stelle, was los ist.«
»Muddi! Du nervst!«, sagte er lahm.
Das Signal für Inge. Sie hatte ihren Sohn dorthin bugsiert, wo sie ihn haben wollte. Eddie gab ihrem Drängen nach, kam endlich aus dem Quark: ...🤭

🤫🤫😊

Henning observiert die Kneipenmannschaft. Ungemach zieht herauf:

...

Die Auseinandersetzung im Hausflur war für Henning zutiefst aufschlussreich, ein Pärchenduell der besonderen Art. Die Frau schäumte vor Wut, sie machte ihren Begleiter mit einer Flut von Vorwürfen fertig, die darin gipfelten: »Jetzt hab ich noch ’ne Anzeige anne Backe. Nur weil du nich in de Hufe gekommen bist und ich eilig zum Großmarkt musste. Die warten da nich auf mich.«
»Dat is nich meine Schuld, wenn’ste mal wieder zu schnell fährst. Immerzu raste wie ’ne besengte Sau. Dat die Bullen dich dabei prompt ohne Führerschein erwischen, dat is nu mal dein Pech. Immer keifst’e mit mir. Ich kann ja nich fahren. Tausendmal habe ich dir gesacht, du sollst nich so rasen.«
»Scheiße! Scheiße! Wird teuer, verdammt noch mal. Gibt Ärger. Brauch ich schon wieder ’n Anwalt. Geht dir ja am Mors vorbei.«
»Kein Wunder, wenn du so blöde bist, dich auch noch dabei erwischen lässt.«

 

Henning kehrte kurze Zeit später in die Gaststube zurück, tat völlig unverfänglich. Lars raunte ihm zu: »Was hast du rausgefunden? Lass uns mal gehen, ich platze vor Neugierde.«
»Nein, jetzt noch nicht. Ich will mir unbedingt die beiden anderen genauer ansehen.«
Henning bestellte noch weitere Biere. »Kriegt man bei euch heute was zum Essen?«, fragte er die Wirtin.
»Weiß ich nich«, antwortete die ihm unwirsch und ging einfach weg. Eddie sprang den Gästen zur Seite, bot ihnen an, in der Küche nachzufragen.
Er kam mit der freudigen Botschaft zurück: »Sie haben Glück, heute kann die Köchin ein Bauernfrühstück machen.«
Die Laune der Wirtin war im Keller, ganz tief unten. Deren Zickigkeit war nicht zu überbieten, das durften Holger, Eddie und Inge, die Köchin, ausbaden. Sogar ihre einzigen Gäste des Abends verschonte sie nicht mit ihrer Übellaunigkeit. Die Nerven lagen bei ihr blank. Einkäufe erledigen, Events vorbereiten, sich mit den Albträumen der Kumpels rumschlagen, dafür aufpassen, dass Holger und Eddie nicht aus dem Ruder laufen, die Führerscheingeschichte. ...

 

Es tut sich was in der Lügenkneipe; Fiete vertellt!
Ja, ja die Rente reichte vorne und hinten nicht. Dennoch wollte Fiete auf seine alten Tage nicht mehr Abend für Abend in der Kneipe stehen. Er beabsichtigte, sich vollauf seiner Segelleidenschaft zu widmen, die Nase in den frischen Wind zu halten. Er hielt bis vor Kurzem die Verpachtung der ›Lügenkneipe‹ für eine exzellente Idee. Nur die dickköpfige Peggy, die so oft kein Einsehen mit seinen Verbesserungsvorschlägen hatte, die spielte da nicht mit. Schoss ihm immer wieder quer. Er hatte leider die falsche Wahl getroffen. Wenigstens konnte er sie mit Engelszungen bequatschen und mit der Brechstange zum Event des heutigen Abends überreden. Hauptsächlich, um ihr zu beweisen, dass seine Ideen funktionieren. Harter Brocken, diese Dame.
Bombig, die Bude war vor dem Spektakel rappelvoll. Die Gäste erinnerten sich immer noch gut an Fiete und seine Aktionen. Peggy kriegte Stück für Stück einen Eindruck davon, mit welch hohen Erwartungen die Zuhörer in ihre Kneipe kamen. Sie scheuchte ihre Jungs auf Hochtouren, damit’s bei ihr rund läuft.
Fiete, der war die Ruhe selbst. Meine Güte, sah er unwiderstehlich gut aus. Selbst für sein Alter, ein ganzer Kerl, ohne Zweifel. Seine grauen Locken fielen ihm leger bis auf die Schultern. Ein hochgewachsener Mann, wie er im Buche steht, schlank und sportlich durchtrainiert. Mit der rechten Hand strich er sich wirkungsvoll durch den weißgrauen Vollbart. Seine blaugrauen Augen blitzten dabei übermütig vor Vergnügen. Die aufgekrempelten Ärmel seines Finkenwerder Fischerhemdes gaben die Tätowierungen auf den Unterarmen frei. Mit der linken Hand hob er filmreif einen Humpen Bier dem Publikum entgegen.
Mit kraftvoller Stimme im Hamburger Slang brachte er einen Toast aus:
»Ahoi, Klaus Störtebeker, der die Trinkfestigkeit im Namen trägt. Störtebeker – stürz den Becher! Er, seine Zeit, seine Lebensgeschichte wird in diesen Abendstunden unsere Triebfeder sein. Ihm ist diese erzählerische Darbietung gewidmet. Prost!«
Er verbeugte sich bestens gelaunt vor den Gästen. Anschließend nahm Fiete einen ausgesprochen kräftigen Schluck. Gespannt beobachtet vom Publikum brachte er die Leute mit dieser Darbietung auf Temperatur. Unter johlender Anfeuerung, Applaus und Pfiffen stellte er den Krug schwungvoll auf dem Tresen ab. Mit dem Handrücken wischte er sich wirkungsvoll über seine Lippen. An dem Störtebeker seinem Trinkvolumen, da konnte er ohnehin nicht an klingeln. Einen Humpen von vier Litern solle er, der Legende nach, in einem Zuge geschluckt haben. Eine ähnlich gelagerte Demonstration jedoch war unverzichtbar für Fietes Renommee.
Der Erzähler legte eine kunstvolle Pause ein, dann sprach er weiter: »Was Wahrheit ist, was Hirngespinst, das entscheidet ihr, ihr allein. Ich begrüße euch zur Wiedergeburt der Lügenkneipe ›Zum totgeschossenen Hasen‹. Der olle Hase, der ist ›allwedder‹ jung und munter wie nie. Ich, der alte Fahrensmann, wurde zur Landratte, fristete als Wirt und Geschichtenerzähler mein Leben. Habe in letzter Zeit ein wenig zu lange auf der ›faulen Haut‹ gelegen. Die althergebrachten Geschichten, die Legenden und Sagen lassen mich nicht in Ruhe, die wollen raus. Das Meer, seine Schönheiten, seine Gefahren, ich habe das alles selbst erlebt, gespürt wie das Salz in der Luft, wie den Wind in den Haaren. Wie wir heute Abend haben sich die Menschen zu Wasser und zu Land schon immer ihre wenige freie Zeit mit Geschichtenerzählen vertrieben.« …

 

 

Das ist der Cover-Entwurf von Bea Stach

 

 

 

Und damit ist das Geheimnis um den Titel des Romans

gelüftet!

 

 

In Sachen Störtebeker

 

 

 

Der freche Diebstahl eines Seeräuber-Schädels aus dem Museum für Hamburgische Geschichte ist Realität. Die Ereignisse drumherum sind Fiktion. 

 

Der Klappentext

 

Hamburg anno 2010! Der Diebstahl des 600 Jahre alten Störtebeker-Schädels rüttelt die Hansestadt und die Museumswelt auf. Der Anwalt Henning von der Dyck unterstützt die Museumsdirektorin Isolde O’Nelly bei der Suche nach dem Exponat. Hierin verweben sich Störtebeker-Legende und freches Delikt mit dem mittelalterlichen Gestern im Hier und Heute. Henning ahnt nicht, welche Räume sich damit für ihn auftun. Die Geschichte segelt auf Fantasy-Flügeln, inspirierenden Gedanken und enthält Passagen eines wahren Geschehens. Sie ist angereichert mit einer Prise Liebessehnen und einer legendenhaften Rahmenhandlung.