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»Unser tägliches Brot gib uns heute«

Christine erzählt aus ihrer nordbömischen Heimat, damals daheim im Sudetenland. In Gießdorf nahe Leitmeritz  besaß die Familie Hajek eine Landwirtschaft. Hauptsächlich bauten sie dort Hopfen an. Alle anderen Erzeugnisse wie Getreide, Obst und die Viehhaltung dienten der Eigenversorgung der Familie. Es gab nur wenige Lebensmittel, die zugekauft werden mussten wie Zucker, Salz und Öl.

Christine erzählt, dass ihre Mutter Adele im Jahr 1926 in die Familie Hajek einheiratete. Mit ihrem elterlichen Heiratsgut, also ihrer Mitgift, konnte sie sich einen Backofen nach ihren Vorstellungen bauen lassen. Es handelte sich um einen holzbefeuerten Steinbackofen, mit Lüftungsklappen und Zügen regulierte man die Temperatur. Im Flur des Bauernhauses hinter einer großen Doppeltür verschwand der Ofen, wenn er nicht gebraucht wurde.

Das auf dem Hof verzehrte Brot buk die Hausfrau, die Bäuerin. Je nach dem eigenen Können mal mehr, mal weniger gut. Großmutter Adeles Brot jedenfalls gehörte zu der qualitativ hochwertigen Sorte, das war im ganzen Dorf bekannt. 

Christine spricht von einer Deese, sie meint damit einen Backtrog aus Holz. Mit Kleinigkeiten gab sich Adele nicht ab. Sie buk immer gleich größere Mengen, also 50 kg Roggenmehl mussten es schon sein. Auf dem Boden des Backtrogs waren die getrockneten Teigreste des vormaligen Backtages. Hiermit setzte sie den Sauerteig an. Die Deese hatte an den Seitenwänden gebogene Dauben und einen Holzdeckel oben drauf. Zwei Tage dauerte es in der Regel, bis der Teig backfähig aufgegangen war. 

Heute kann man im Handel granulierten Sauerteig kaufen, damals wurde der Teig gehütet und auch an Nachbarn weitergegeben, wenn Bedarf bestand. 

Christine sagt, dass ihre Mutter Gewichte und Mengen so aus dem Handgelenk abmaß. Die gekneteten Teigstücke gingen in geflochtenen Strohkörben an einem warmen Ort auf. Ihre Aufgabe war es, die Teiglinge vor dem abbacken mit heißem Wasser zu bepinseln. Dafür benutzte sie einen Flederwisch. Das ist der Flügel einer Ente oder einer Gans, heute auch eher unüblich. Rund zehn Brote passten in den Steinofen hinein und nach einer Stunde Backzeit waren die fertig.

In meiner Jugend, so Christine weiter, gab es ausschließlich das selbstgebackene Brot. Bevor Adele ein neues Roggenbrot anschnitt, ritzte sie mit dem Brotmesser auf der Rückseite drei kleine Kreuze ein und schnitt einen Kreis drumherum. Dabei sprach sie: »Herr wir danken Dir für diese Speise.« Das zeugt von großem Respekt und Dankbarkeit vor dem Lebensmittel  »Brot« – unser tägliches Brot gib uns heute.

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